Gesundheit und Abschlussnoten nicht durch Fasten aufs Spiel setzen!

Gesundheit und Abschlussnoten nicht durch Fasten aufs Spiel setzen!

(02.05.2019) Am 6. Mai beginnt der Fastenmonat Ramadan, der mit dem Zuckerfest am 5. Juni endet, dem zweithöchsten islamischen Feiertag. Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Hessen erkennt die Bedeutung des Ramadan als Ausdruck des muslimischen Glaubens und Teil der religiösen Praxis an. Allerdings appelliert der VBE-Landesvorsitzende Stefan Wesselmann an muslimische Familien, die Gesundheit ihrer Kinder nicht aus einem falsch verstandenen religiösen Bewusstsein aufs Spiel zu setzen.

Im Ramadan wird oft die Nacht zum Tag
Wenn Schüler und Schülerinnen von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang nichts essen und trinken, hat das Folgen: „Sie können sich im Unterricht nur schlecht konzentrieren. Und wenn sie während der Fastenzeit in Abschluss-prüfungen stecken, in denen jede Note zählt, tun sich die Jugendlichen mit konsequentem Fasten selbst keinen Gefallen“, macht Wesselmann deutlich.

Im Sportunterricht und an heißen Tagen kam es in vergangenen Jahren auch immer wieder vor, dass fastende Mädchen und Jungen kollabieren. Außerdem leiden viele muslimische Schüler und Schülerinnen während des Ramadan an Schlafmangel, weil in den Familien erst spätabends und schon früh am Morgen gegessen werde. „Sie machen gezwungenermaßen die Nacht zum Tag“, bringt der VBE-Landesvorsitzende es auf den Punkt.

Koran befreit „schwer arbeitende Menschen“ vom Fasten
Besonders kritisch sieht der VBE Hessen, dass schon Grundschulkinder auf Essen und Trinken verzichten. Schließlich schreibt der Koran das Fasten erst ab Erreichen der Pubertät vor, außerdem sind Ausnahmen u.a. für kranke und schwer arbeitende Menschen vorgesehen. Für Schüler und Schülerinnen kann der Unterricht durchaus als schwere Arbeit angesehen werden, wie auch der Islamwissenschaftler Klaus Spenlen in seinem Buch „Schule und Islam – wie sich 90 Alltagskonflikte lösen lassen“ klarstellt.

Wer strenger fastet, ist der bessere Muslim?
Der VBE Hessen beobachtet, dass Grundschulkinder oft nicht etwa auf Druck der Eltern fasten, sondern aus eigenem Willen: „Sie wollen mit den Großen mithalten und dazugehören.“ So entstehe mitunter schon an Grundschulen ein Fasten-Wettstreit, wie er bis vor einigen Jahren nur an weiterführenden Schulen zu beobachten war. Nach dem Motto: Wer strenger fastet, ist der bessere Muslim.

Der VBE-Landesvorsitzende Wesselmann würde es deshalb sehr begrüßen, wenn die muslimischen Religionsgemeinschaften den Lehrkräften den Rücken stärkten, „schließlich genießen sie in religiösen Fragen bei den Familien mehr Autorität als wir Lehrerinnen und Lehrer“, so Wesselmann. „Gemeinsam sollten wir den Eltern deutlich machen, dass Fasten die Lernfähigkeit und Gesundheit der Kinder beeinträchtigen kann und nach Lösungen suchen.“ Wenn beispielsweise schon Grundschulkinder den Ramadan so leben wollen oder sollen wie Jugendliche und Erwachsene, könnten diese jüngeren Schüler und Schülerinnen erst einmal an den Wochenenden oder stundenweise fasten.

Das Handbuch „Schule und Islam – wie sich 90 Alltagskonflikte lösen lassen“ ist vor kurzem im VBE Verlag erschienen:
https://www.vbe-verlag.de/artikelanzeigen.php?artikel=545)

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