Position Benotung und Ziffernoten

Position Benotung und Ziffernoten

Der VBE hält nichts von der Möglichkeit, zugunsten von Verbal-Beurteilungen auf Ziffernoten zu verzichten, wie es der Koalitionsvertrag von 2019 für pädagogisch selbständige Schulen vorsieht.

Aus folgenden Gründen spricht sich der VBE Hessen für den Erhalt von Ziffernoten aus:

Noten sind eindeutig und leichter vergleichbar
Verbal-Beurteilungen lassen sich nur schwer einordnen, wenn die Lernziele nicht bekannt sind. Aufgrund des großen Interpretationsspielraums können Verbal-Beurteilungen positiv gelesen werden, selbst wenn sie kritisch gemeint sind.
Das gilt umso mehr, als Verbal-Beurteilungen tendenziell positiv-konstruktiv formuliert werden.
Zudem haben viele Menschen Schwierigkeiten, Verbal-Beurteilungen zu verstehen und „zwischen den Zeilen“ zu lesen. Um sicher zu gehen, dass die wortreichen Formulierungen richtig verstanden werden, müssen Lehrkräfte die Verbal-Beurteilungen daher häufig in zeitaufwändigen Gesprächen mit den Eltern erklären. Das bedeutet doppelte Arbeit.

Verbal-Beurteilungen sind nicht gerechter
Für Verbal-Beurteilungen werden häufig (aus Zeitgründen) Text-Bausteine verwendet. Diese wiederum sind gerade nicht individuell und widersprechen damit der ursprünglichen Intention von Verbal-Beurteilungen.
Dazu kommt: Bei einer verbalen Beurteilung wird automatisch die Person der Schülerin bzw. des Schülers mit beurteilt, nicht alleine ihre/seine erbrachte Leistung. Das kann verletzender sein als die bloße Ziffernote.

Noten sind eine vertraute Orientierungshilfe
Ziffernoten sind nicht nur für Eltern, sondern auch für potenzielle Arbeitgeber und Personen in anderen außerschulischen Institutionen eine Orientierung. Auch beim Übergang auf eine weiterführende Schule und bei einem Schulwechsel z.B. aufgrund eines Umzugs sind Noten gefragt.
Selbst Schulen, die mit Verbal-Beurteilungen arbeiten, sind daher vom Kultus-ministerium aufgefordert, in solchen Fällen Zeugnisse mit Ziffernoten auszustellen, sie müssen also die Verbal-Beurteilungen „übersetzen“. Dies macht deutlich, dass Schulen ohne Noten in unserem Bildungssystem nur Spielwiesen sind, die tendenziell für Irritationen, Missverständnisse und Umstände sorgen.

Der VBE Hessen fordert daher:

Verbal-Beurteilungen im 1. Schuljahr sollten beibehalten werden, da sie in der Übergangsphase von Kita zu Schule sinnvoll sind: Hier steht das Kind mit seinem Sozial- und Arbeitsverhalten sowie seinem Leistungsvermögen im Vordergrund.

Ab Klasse 2 sollten durchgängig Ziffernnoten gelten.

Der VBE plädiert dabei für die Einführung des 15-Punkte-Systems, wie es bereits in der Oberstufe Usus ist. Das 15-Punkte-System lässt eine differenziertere Benotung zu, die auch Probleme mit der Vergabe von +/- lösen wurde. Das gilt besonders für die Zeugnisse, in die +/- bislang nicht eingetragen werden darf, so dass die dortigen Noten nicht immer die „echte“ Leistung bzw. Bewertung widerspiegeln.

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